Vergleich der Grabungen mit dem Kupferstich-Modell

Meine persönlichen Erkenntnisse aus den Grabungen 2008

Für die Anfertigung der Zeichnung als Grundlage für die Herstellung des Lustgarten- Modells standen mir zur Verfügung:

-Der Kupferstich von Merian 1654
-Der Reprint “Beschreibung des ganzen Fürstlich- Braunschweigischen Gartens zu Hessem”, Royer,1651
-Eine Diplomarbeit von Sina Grimm, 2000
-Die Dissertation von Thomas Scheliga, Schloss und Lustgarten in Hessen am Fallstein, Heidelberg 2002.

Um die Größenverhältnisse bestimmen zu können, waren Royers Angaben ausschlaggebend. Er schreibt “…Quartier/jegliches helt ins Gevierte 80. Fuß/…” und “…haben die Gänge im Garten alle in ihrer Breite 15. Fuß“. Im damaligem Maßsystem im Braunschweiger Land entsprach ein Fuß 0,285 m*. Somit ergeben sich eine Größe der Quartiere von 22,80 m x 22,80 m und eine Wegebreite von 4,28 m.

Ausgehend vom Kupferstich, der eine gerade Burggrabenmauer und ein rechtwinkliges Wegesystem zeigt, wurde die Größe und Anordnung der Quartiere und Wege gezeichnet.
Angenommen wurde, dass die Hecken sich innerhalb der Quartiergrenzen befinden. Bei den Laubengängen bin ich nach dem Kupferstich von einer unwesentlich größeren Breite als die Wege ausgegangen.
Den Heller- Graben habe ich als von beiden Seiten mit Mauern eingefasst angesehen, bei einer angenommenen Breite von 14 m.

Erste Messungen (mittels Bandmaß) vor Ort zwischen einzelnen Grabungsstellen zeigten bereits eine gute Übereinstimmung mit meiner Zeichnung. Endgültige Klarheit konnte aber erst der direkte Vergleich der Grabungszeichnung (dankenswerterweise von Dr. Schlegel zur Verfügung gestellt) mit meiner Modellzeichnung bringen.

Die erste Überlagerung der Zeichnungen ergab noch keine genaue Übereinstimmung (Deckungsvergleich 1). Ursache konnte der nicht gerade Verlauf der Burggrabenmauer sein.

Ich habe daraufhin den nördlich der Burggrabenmauer liegenden Teil der Anlage 4 Grad gedreht (Drehpunkt nordöstliche Ecke der Burggrabenmauer) und die gesamte Anlage etwas nach Westen verschoben.

Im Ergebnis konnte eine gute Übereinstimmung mit wichtigen Objekten gefunden werden (Brunnen, Mühlgrabenbrücke, Mittelweg und Burggrabenmauer).

Die Abweichung bei der Einfassung des Heller- Grabens liegt daran, das eine Uferbefestigung mittels Planke eine größere Böschung bedingt hat.

Im Ergebnis des Vergleiches sehe ich die Angaben Royers zu Wegen und Quartieren bestätigt. Das Ergebnis zeigt aber auch, das der Kupferstich nicht exakt die Realität widerspiegelt.

Um mehr Erkenntnisse über die baulichen Anlagen des ehemaligen Lustgartens zu gewinnen, sollten weitere Grabungen erfolgen:
Zur Bestimmung der wirklichen Breite des Heller- Grabens sollte ein Grabungsschnitt dort durchgeführt werden, wo auf beiden Ufern keine Anpflanzungen vorhanden sind.

Der Standort des Lusthauses könnte nach den Ergebnissen der 2008er Grabungen ebenso gefunden werden wie der der Grotte.

* Alte Gewicht und Maße im Lande Braunschweig, Heinz Ziegler (Braunschweigisches Jahrbuch Band 50, 1969; Seiten 128 bis 163)

Joachim Däumler, Hessen 2011