Biografie Royer


Biografie Royer

Johann Royer entstammt einer niederländischen Familie, die ihre Wurzeln möglicherweise in der Region Welsch Braband hat, jedenfalls hat Royer Kochkenntnisse aus dieser Region in sein Buch* einfließen lassen (“…zu denen gehören auch die rothenMören oder Carotten/ sind in unserm Lande fast unbekand / in Welsch Braband aber …wissen sie davon einen guten Salat zu machen”).

Johann Royer wurde 1574 in Hannoversch Münden (nicht belegt), im Fürstentum Calenberg, Herzogtum Braunschweig- Lüneburg, als Sohn eines Gärtners geboren.
Sein Vater war, auch das überliefert uns das Buch*, als Gärtner in den Diensten von Herzog Erich von Calenberg, später diente er Herzog Julius und Herzog Heinrich Julius. Bei seinem Vater wird Johann Royer die ersten Erfahrungen auf gärtnerischem Gebiet gemacht haben.

Zur Ausbildung schickte ihn sein Vater an den kurfürstlichen Hof nach Dresden, wo er ebenfalls den Beruf eines Gärtners erlernte. Sein Wissen erweiterte er als Geselle an mehreren Fürstenhöfen in verschiedenen Ländern. Nach Akten im Niedersächsischen Staatsarchiv Wolfenbüttel war er zuletzt in den Diensten des Kölner Erzbischofs Ernst von Bayern.

Herzogin Elisabeth von Braunschweig- Lüneburg, Frau des Herzog Heinrich- Julius, holte 1607 Royer nach Hessen.
In einer umfangreichen Bestallungsurkunde wurden seine Pflichten und Rechte geregelt.
Er sollte den bestehenden Garten vervollkommnen, ständig in gutem Zustand halten und die Pflanzen-bestände stetig vermehren. Über die Gestaltung und Pflege des Lustgartens hinaus oblag ihm die Versorgung der Schlossbewohner mit Obst und Gemüse, mit Gewürzen und Kräutern. Weiterhin war für die Belieferung der Apotheken mit medizinischen Kräutern zuständig.
Johann Royer erhielt 30 Taler Lohn und 20 Taler für Kleidung im Jahr. An Naturalien erhielt er im Jahr zwei Scheffel Roggen, zwei Scheffel Gerste und zwei gemästete Schweine.Weiter hatte er freien Tisch bei Hofe und jeden Tag ein Stübchen Bier. Zwei Gesellen halfen ihm bei der Arbeit.

Johann Royer kultivierte insgesamt fast 1700 in- und ausländische Pflanzenarten und Sorten.
Damit befand sich in Hessen zur damaligen Zeit, vom Pflanzenbestand her, einer der ersten botanischen Gärten Deutschlands.

Royer erforschte auch verschiedene Gebiete in der Umgebung. Er war auf dem Brocken ebenso wie am Gatersleber See, im Fallstein, Huy, besuchte die Asse und den Klotzberg. Seine Beschreibung der Pflanzenvorkommen macht ihn zu einem der ersten Erforscher der Flora des Harzvorlandes. Viele der gefundenen Pflanzen werden in den Hessener Garten Eingang gefunden haben.

Royer widmete sich bis 1649 mit großem Fleiß und Hingabe seinen Aufgaben.
1648 veröffentlichte er in erster Auflage ein Buch mit dem Titel: „Beschreibung des ganzen Fürstlich Braunschweigischen gartens zu Hessem“.
Es enthält eine genauen Beschreibung des Gartens, die Auflistung kultivierter Pflanzen und die Be-schreibung der besuchten Biotope.

Royer überliefert in dem Buch auch seine reichhaltigen Erfahrungen. Er gibt allgemeine Hinweise für die Anlage von Gärten, die Verbesserung des Bodens, wie mit gesunden und kranken Pflanzen umzugehen sei bis hin zur Verwendung von Pflanzen in der Küche.

1649 beendete Royer mit 75 Jahren auf eigenen Wunsch seine Tätigkeit als Hofgärtner.
Er erhielt als Rente 12 Taler sowie jährlich 2 Schafe, 1 Schwein, 120 Heringe, Weißkohl, Butter, Erbsen, Roggen und Gerste.

Am 16. April 1655 starb Johann Royer im biblischen Alter von 81 Jahren

Schon zu Lebzeiten hatte er für sich ein prachtvollesEpitaphin Auftrag gegeben, der sich noch heute in der Kirche St. Jakobi in Hessen befindet. Diesem verdanken wir das einzige Bildnis des großen Kunstgärtners.

*Beschreibung des ganzen Fürstlich Braunschweigischen gartens zu Hessem

Joachim Däumler, Hessen 2011


Quelle: Thomas Scheliga,SCHLOSS UND LUSTGARTEN IN HESSEN AM FALLSTEIN
Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Philosophischen Fakultät der Ruprecht-Karls-Universität zu Heidelberg, 2002



Hofgärtner Johann Royer- Ausschnitt aus dem Epitaph (Foto Sandor Kotyrba)